Donnerstag, 1. November 2007

Warenschmuggel in Osteuropa


Alle Knochen tun weh, ich fühle mich unglaublich schmutzig, schon seit Tagen hatten wir ausser dem Meer keine Duschmöglichkeiten, draussen geht gerade die Sonne auf. Schlaftrunken reibe ich mir die Augen. Durch die Bewegung wacht Tobi auf der mit mir die Nacht zusammen auf dieser verflucht unbequemen Zugbank verbracht hat. Er sieht zum brüllen aus, die Haare ganz zersaust und die Augen sind so klein, dass ich sie kaum erkennen kann. Er sieht noch schlimmer aus als ich, meine Laune bessert sich schlagartig. Zudem bewegt sich auch schon Andy auf der gegenüberliegenden Bank, er war der glückliche, der eine ganze Bank für sich beanspruchen durfte. Es ist ein herrlicher Tag, die Sonne ist schon um diese Uhrzeit so warm, dass wir sie im Zugsinnern spüren können. Draussen ziehen die brachliegenden braunen Felder Rumäniens gemächlich an uns vorbei. Hie und da schafft es der Zug knapp einen Bauern mit Ross und Wagen zu überholen. Seit letztem Abend um 2200 Uhr sind wir jetzt in diesem wackligen Zug unterwegs, wir alle waren froh nicht noch eine Nacht im unfreundlichen Bukarest verbringen zu müssen. Ausser uns sind noch ein alter Mann in der 1. Klasse, eine Frau, wie sich später herausstellte die einzigen „normalen“ Reisegäste, und einige junge Männer in diesem Zugswagen. Nach ein zwei Stunden angeregter Unterhaltung über die Abenteur die wir in Vama Veche (Rumänien, an der Küste der Blacksea) erlebt hatten, reisst der rumänische Kontrolleur die Glastür zu unserem Abteil auf und sagt barsch etwas auf rumänisch. „English?“, antwortet Andy, „Tickets“, meint der Mann mit abschätzigem Blick.

Der Zug stoppt an diversen kleinen Bahnhöfen, deren Namen wir nicht aussprechen können. kleine Dörfchen, stillgelegte Fabriken und weite unbewirtschaftete Felder säumen den Weg des Zuges, ab und dann ein Hirtenjunge mit ein paar abgemagerten Kühen, seltener Traktore oder bewässerte Felder. Plötzlich beginnt ein etwa 40-jähriger Mann mit Dreitagebart und Bierbauch, an der Decke just vor unserem Abteil zu hantieren. Nach kurzer Zeit öffnet er eine Klappe und winkt jemandem. Den Türgriff zu unserem Abteil als Steigbügel benutzend, schaut er in den Hohlraum zwischen Dach und Abteil. Jetzt erscheint ein kleiner junge mit schwarzen Haaren und dunkler Haut in unserem Blickfeld, der Mann steigt hinunter und hievt den jungen in den Hohlraum, wir hören wie der junge auf dem Dach unseres Abteils herumkriecht. Die serbische Grenze kann nicht mehr weit sein........ Fortsetzung folgt.....

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Schlafen im Zug, vergessene Felder, abgemagerte Kühe, unfreundliche Kontrolleure, ein kleiner Junge der über die Grenze "geschmuggelt" wird - klingt nach einer gut erzählten Räubergeschichte. Es wird scharf geschossen aus Rafis Räuberpistole...

Spass bei Seite - die Reise klingt spannend. Wo in Europa warst du eigentlich noch nicht?


Greez Chiavi