
Ein Tag mit auf Polizeistreife
Drogenfahndung
Noch ein wenig schlaftrunken binde ich den Schal gegen die morgendliche frische ein wenig enger, zu zweit stehen wir in einer dunklen Ecke in einem kleinen Gässchen hinter dem Mc Donalds am Marktplatz Bohl. Es ist 7.32 Uhr. Ein Mann mit langem schwarzem Haar und schwarzer Lederjacke geht hinkend, an der Wand entlang, an uns vorbei und grüsst freundlich.
Das Funkgerät rauscht unsichtbar unter dem schwarzen Kapuzenpullover meines Kollegen hervor und eine verzerrte Stimme sagt etwas. Der Empfang ist jedoch zu schlecht, um etwas zu verstehen. Wir treten aus der dunklen Gasse hervor und gehen gemächlich Richtung Katharinenhof. Zwei andere Polizisten beobachten den Eingang des Katihof von der Forderseite. Jetzt verstehen wir den Funkspruch; es seien bis jetzt noch nicht sehr viele Gäste reingegangen. Entschlossen marschieren wir nun auf den Eingang zu und begrüssen dort die zwei Kollegen mit einem kurzen Nicken, ohne Worte treten wir ein. Gegenüber dem Eingang ist eine Hüfthohe Theke aus Ebenholz, dahinter eine schlanke ältere, aber jung gebliebene Blondine. Wie üblich in solchen „Spünten“, steht sie vor einem Regal gefüllt mit diversen Spirituosen. Sie scheint meine Begleiter zu kennen und nickt flüchtig, aber durchaus freundlich. Zu meiner rechten ist ein grosser Tisch mit diversen Gästen, die sich leise, über ihre Kaffeetassen gebeugt, unterhalten. Die meisten haben längere Haare und
eingefallene müde Gesichter.
Jetzt rauscht das Funkgerät erneut und die Gäste bemerken die vier Neuankömmlinge. Sofort realisieren sie, was gespielt wird. Einigen ist der Schreck ins Gesicht geschrieben. Vor allem der hinkende Mann, der uns eben noch freundlich gegrüsst hatte, scheint noch bleicher zu werden. Die Polizisten handeln rasch und bitten ihn und einen jüngeren, italienisch sprechenden Mann, mit einem für diese Uhrzeit überraschend wachen Blick, in den hinteren Teil des kleinen, funktional eingerichteten Restaurants. Der bleiche Mann fühlt sich ertappt, sofort rückt er ein kleines Döschen raus und knirscht verärgert, das dies alles sei, was er habe.
„Nun bin ich schon wieder Pleite“
meint er traurig. Er tut mir fast ein wenig leid, niedergeschlagen kommt er ohne Widerstand mit und lässt sich bereitwillig durchsuchen. Er scheint das Prozedere bestens zu kennen. Der Italiener mit seinem gewitzten Blick, verhält sich weniger kooperativ, erschwerend kommt hinzu, dass er praktisch kein Deutsch spricht. Doch schnell kommen bei der Durchsuchung 12 Gassenbriefchen Heroin zum Vorschein, nach einer gründlichen Leibesvisite, werden den beiden Handschellen angelegt und sie setzten sich mit hängenden Köpfen auf zwei Stühle. Auf meine Frage, warum sie gerade die beiden durchsucht haben, antworten die erfahrenen Polizisten, man sehe es ihnen einfach an, der hinkende Mann sei sofort nervös geworden und der jüngere Italiener sei ein neues Gesicht im „Katihof“ und war ihnen deshalb sofort verdächtig. Zwei weitere Gäste werden noch durchsucht, doch sie haben keine Drogen (mehr?) auf sich. Nach einer kurzen Befragung im V57 werden sie wieder auf freien Fuss gesetzt. Trotz-dem habe ich das dumpfe Gefühl, dass die Beiden nicht das letzte mal in Polizeigewahrsam waren.
Verkehrsunfall
Um 9 Uhr genehmige ich mir einen Kaffee, doch nach dem ersten genüsslichen Schluck erreicht mich die Nachricht von einem Verkehrsunfall. Den Becher Kaffee geschnappt und ab in den Streifenwagen. Auf der Unfallstelle sind die Sanitäter gerade beschäftigt den Verletzten Rollerfahrer in das Krankenauto zu tragen. Ich sehe nur noch eine Bahre und bunte Decken, die den Ärmsten umhüllen. Der zuständige Sachbearb-eiter erklärt uns was geschehen ist, Der Rollerfahrer, ein älterer Herr, hat die Kurve vor dem „Il Castello“ an der Burgstrasse nicht erwischt, düpierte die Fussgängerinsel, kam zu Fall und prallte hart mit dem Kopf auf den Asphalt. die Sanitäter mussten den Verunfallten im Spital gar künstlich beatmen. Stefan Vitzthum erklärt mir auf was bei der Unfallaufnahme alles geachtet werden muss.
Mit Blaulicht
Am Nachmittag bin ich mit einer Patrouille unterwegs. Nach Routinekontrollen am Kantipark und vor dem Neumarkt, reagiert der Fahrer plötzlich blitzschnell auf einen Funkspruch. Ich habe auf dem Rücksitz zwar kein Wort verstanden, merke aber schnell um was es geht. „Halt dich gut fest da hinten“, meint er und schmunzelt verschmitzt. Die Blaulichter gehen an und
die Sirene zerreist ohrenbetäubend die Luft.
Der überaus sportliche Antritt des Wagens drückt mich in die Rückenlehne und schon geht es mit horrendem Tempo auf die Überholspur. Aufgeregt und nicht wissend wohin, oder um was es geht, halte ich mich gut an der Sicherheitsgurte fest und starre wie gebannt auf die vor uns davonfliegende Strasse. Schon nach kurzer Zeit erreichen wir unser Ziel, die Invalida. „Feueralarm“, sagt der Fahrer knapp und spurtet los. Nicht recht wissend, was ich tun soll, folge ich ihm nach einigen Momenten des Zögerns. Ich schaffe es gerade noch, ihn vor dem Eingang einzuholen. Atemlos treten wir in die Werkhalle ein, doch statt dem erwarteten Feuer und Rauch, sind die Angestellten seelenruhig bei der Arbeit und sehen uns erstaunt an. „Hier gab es einen Feueralarm“,
Verwunderung und Schulterzucken bei den Arbeitern,
einer deutet zaghaft in den hinteren Bereich und murmelt etwas unverständliches. Wir rennen nach hinten und eine Treppe hinauf, oben an der Rezeption wird uns mitgeteilt, dass es nur ein Fehlalarm war. Erstmal schnaufen wir tief durch und gehen dann wieder auf den Vorhof raus, schon von weitem hören wir die Feuerwehr, und kurz darauf kommen sie mit drei Fahrzeugen um die Kurve gerasselt, steigen aus und spurten uns in voller Montur entgegen. Schnell können wir sie mit der Nachricht, dass es nur ein Feueralarm war, beruhigen. Froh, dass nichts schlimmeres passiert ist, machen wir uns schon bald wieder auf den Weg.
Später habe ich noch Einblick in die Einsatzzentrale. Ich hätte nicht gedacht, dass in St.Gallen so viel los ist. Die Stadt wirkt für den Normalbürger eher schläfrig und träge, doch dieser Tag hat mich eines besseren belehrt. Die Polizei hat alle Hände voll zu tun, davon merkt die grosse Mehrheit der Stadtbevölkerung allerdings nicht allzu viel.
1 Kommentar:
Jööö, hät s'Büebli törfa uuf dä Rücksitz vum Polizeiauto sitze und mit uuf Streife goh? :-)
Hehe, nei, isch sicher no spannend gsi. Vor allem häsch anschiinend en Tag verwütscht wo no was gloffa isch. Streifefahre segi jo sust no oft sehr langwiilig...
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