Dienstag, 13. November 2007

Die dritte Sozialraumtagung in St. Gallen

(Ein Auszug aus der Hauszeitung der Stapo)

Ein kalter Nachtspaziergang

Die Strassen nahezu menschenleer, am Marktplatz Bohl ein paar Versprengte, tief eingemummt in Schal und Mütze, suchen sie Schutz unter der Calatrava-Halle oder gehen mit zügigen Schritten den Wänden entlang an gemütlichere Orte. Dicke Schneeflocken fallen weiss wie Watte langsam aus dem schwarzen Himmel und werden auf dem hart glänzenden Asphalt wieder zu Wasser, nicht gerade die besten Wetterbedingungen für einen nächtlichen Spaziergang durch die Altstadt St. Gallens. Zumal von den Veranstaltern, der Fachhochschule St.Gallen und dem Atelier für Son-deraufgaben, den Ricklin Brüdern, ein Rundgang an „gefährliche“ Orte in der halben Altstadt ge-plant war.


Trotz den ungemütlichen Temperaturen fanden sich vergangenen Freitag gegen 21.00 Uhr, an der Linsenbühlstrasse, gegen 50 Personen zur dritten Sozialraumtagung in der Stadt St.Gallen ein. Es ist eine sehr gemischte Gesellschaft Jung wie Alt, Unikate, ebenso wie unscheinbare Geschäfts-leute, „Hinz und Kunz“ und nicht wie ich erwartet hätte, die typisch grüne Gesellschaft, aber si-cher alle Kulturinteressiert.




Eine klirrende Flasche, ein Schrei aus einer dunklen Gasse, das Publikum wendet erstaunt die Blicke, doch schon kommt die Polizei mit Harald Düring angerauscht. Er steigt aus dem Patrouillen-fahrzeug und referiert über die Aufgabe der Polizei: „Nicht nackte Zahlen und Fakten sind wichtig, sondern das Sicherheitsgefühl eines jeden Einzelnen.“ Plötzlich unterbricht er seine Rede und geht schnurstracks auf die Menge zu, die Menge teilt sich, wie das Meer dazumal vor Moses. „Warum sind sie ausgewichen?“ Wirft Harald Düring in die Runde. „Weil ich so gross bin? Oder wegen der Uniform?“ Man hört nur den Schnee rieseln. „Eine Uniform zu tragen, bedeutet Macht. Diese Macht nicht auszunützen sondern zu nutzen, um die Sicherheit und somit das Wohlbefinden der Bevölkerung zu erhöhen, ist eine der schwierigen Hauptaufgaben der Polizei.“ Die Zuhörer applaudierten begeistert.


Der bunt gemischte Zug setzte sich in Bewegung und folgte der auffällig rot gekleideten Nacht-Stadtführerin Charlotte Bleicher, vorbei am Kino Tiffany und zur Verwunderung des Hauswartes mitten durch das Kantonsschulgebäude (ist ja ein öffentlicher Ort) auf den dahinterliegenden Kan-tipark. Eine Gegend, die zu später Stunde, vor allem von Frauen, gemieden wird. Ausser ein paar Passanten, die den plötzlichen Menschenauflauf verwundert musterten, war im Park aber Nie-mand anzutreffen. Mitten in der Dunkelheit des Parks präsen-tierten Harald Düring, Michael Heu-berger von der Stiftung Suchthilfe und ein Randständiger den „St. Galler Weg“, mit dem „Haraldschen“ Dreieck.


Keine Polizei erwünscht

Danach ging es weiter in die Jugendbeiz, die sich in der Talhofhalle befindet, wo sich Harald Dü-ring, gerade wegen seiner Uniform, Tür und Tor eben nicht öffnete. Als er sich weigerte, zur Be-lustigung eine Hochsicherheitskleidung anzuziehen, wurde ihm kurzerhand der Eintritt verweigert. Nach dem dritten Versuch, die Eintrittskontrolle doch noch zu überlisten (beim letzten Mal war er schon beinahe vorbei, als er dann doch noch erwischt und brüsk zurückgehalten wurde), ent-schloss er sich, den wohlverdienten Feierabend anzutreten. Am folgenden Montag wurde er dafür im Tagblatt prompt gerügt.

Fazit

Ein durchaus gelungener Anlass mit einigen interessanten Gedankenanstössen und für das Wetter überraschend vielen Teilnehmern. Der Anlass war aber von 21.00 bis 01.30 in der Nacht ein biss-chen zu langatmig, vor allem in Anbetracht der eisigen Temperaturen. Das Thema Videoüberwa-chung wurde wider erwarten nur kurz angeschnitten. Die „unsicheren“ Orte, wie das Parkhaus bei der Brühltorunterführung wirkten, verglichen mit dem garstigen Wetter, jedoch eher gemütlich als bedrohlich.

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